Unverblümt im Sommerwind

Autorin: Simone Veenstra

Verlag: Heyne

Erschienen: 9.3.2020

Seitenzahl: 496

ISBN: 978-3-6412-4831-4


Und ihre Meinung war irgendwie immer die falsche. Was daran lag, dass Judith eine offenbar wichtige Fähigkeit abging. Die Fähigkeit zu lügen.“ (S. 18)

Darum gehts:

Judith kann nicht lügen. Nicht mal kleine Notlügen sind drin. Nachdem sie deshalb zum wiederholten Male ihren Job und sogar ihre Wohnung verliert, beschließt sie, diese Tatsache zu ändern. Auf Amrum bei ihrem Onkel will sie Lügen lernen. Ein altes Tagebuch, ein Hund namens Hund und einige Menschen, die genauso anders sind, wie sie selbst, helfen ihr dabei.



Das sage ich…

...zum Inhalt:

„Unverblümt im Sommerwind“ ist eine süße Geschichte mit einer wirklich tollen Botschaft: Anders sein ist doch etwas Schönes. Die Entwicklung, die dieses Buch erzählt, das Setting der Inseln, und die Nebencharaktere (unter anderem) machen es zu einer wirklich tollen Sommerlektüre.

Vor allem die Thematik fand ich spannend. Während des Lesens wird immer wieder die Frage aufgeworfen, wie viel wir eigentlich lügen. Wie viel lügen ist normal und gibt es sogar Situationen, in denen es notwendig ist zu lügen? Es war wirklich interessant Judith auf diesem Weg zu folgen und dabei immer wieder selber ins Nachdenken zu geraten.

Kleinere Kritikpunkte habe ich allerdings auch. Für mich hat sich dieses Buch teilweise in die Länge gezogen und war zwischenzeitlich ein bisschen langatmig. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt, was ich wirklich toll gewählt und prinzipiell auch gut umgesetzt fand, allerdings muss ich sagen, dass es manchmal hierdurch ein bisschen unübersichtlich war und es schwierig wurde der Geschichte zu folgen.

…zu den Protagonisten:

Judith ist eine wirklich tolle Figur. Sie eckt immer wieder an, wird immer wieder aus der Bahn geworfen und ist letzendlich wirklich am Ende. Doch davon lässt sie sich nicht unterkriegen. Sie nimmt ihr Schicksal selber in die Hand und will etwas dagegen tun. Ich fand sie sehr sympathisch und bin ihr gerne gefolgt. Die Entwicklung, die das Buch erzählt, ist hauptsächlich ihre, und ich fand es total toll zu lesen, wie sie langsam aber sicher mit sich selber ins Reine kommt und ihre Andersartigkeit zu lieben lernt.

Teda ist ebenfalls so eine Figur, der man gerne folgt und die sehr nahbar ist. Sie hat einen Traum und ist sehr ehrgeizig, wenn es darum geht, diesen wahrzumachen. Trotz der schweren Zeit (Anfang der 1900er), in der sie lebt, lässt sie sich nicht unterkriegen und gibt so eine tolle starke Frauenfigur ab.

Bei diesem Buch möchte ich auch noch einmal die Nebencharaktere erwähnen. Ohne zuviel vorwegzunehmen, sei hier gesagt, dass diese alle auf ihre eigene Art und Weise originell und anders sind, sodass sich eine Gruppe ergibt, in der sich witzige, interessante Dynamiken ergeben.

…zum Stil:

Ich fand die Arbeit mit den Zeitebenen wirklich gut gewählt. Tedas und Judiths Geschichte fügen sich toll zusammen und Simone Veestra erzählt alles in einem Stil, der einen gut mit hineinnimmt und, bis auf einige Passagen, wirklich kurzweilig und schön zu lesen ist.


Heißt also:

„Unverblümt im Sommerwind“ ist eine schöne Sommerlektüre für Zwischendurch mit interessanter Thematik.

Bewertung: 3.5 von 5.


P. S. Danke an den Heyne Verlag und das Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House für das Leseexemplar 🙂

Top 10 – Bücher mit sensibler Thematik

Es gibt viele Themen, die nicht einfach, nicht gemütlich sind. Und ebenso schwierig ist es, diese Themen in einem Buch gut umzusetzen. Themen wie sexuelle/häusliche Gewalt, Depression, Kinderlosigkeit, Traumata, Krankheiten etc. sind komplex, sensibel und oft sehr von eigenen Erfahrungen geprägt. Meiner Meinung nach gibt es jedoch einige Bücher, und einige Autoren insbesondere, die es schaffen genau diese Geschichten zu erzählen. Häufig finde ich solche Bücher besonders schön, weil die meisten es schaffen einen mit auf die Reise zu nehmen und das Gefühl der Hoffnung zu schaffen. Es ist wunderschön zu sehen, wie ein Charakter, der an einer wirklich schlimmen Stelle in seinem Leben ist/war langsam aber sicher wieder Gutes erfährt.


10 – Emma Scott „Never Doubt“

Meine letzte Rezension auf diesem Blog war zu genau diesem starken, facettenreichen Buch. Emma Sott thematisiert hier gleich zwei Formen von Gewalt: Sexuelle und häusliche. Beide Protaginisten haben ihre Erfahrungen damit gemacht und das Buch schafft es wirklich toll zu verdeutlichen, wie unterschiedlich die Erfahrungen sind, und in wie vielen Aspekten sie sich doch ähneln. Emma Scott schafft es wirklich toll das Dilema zu verdeutlichen, in dem Opfer häufig stecken, indem sie Isaacs Liebe für seinen Vater und Willows Bedürfnis weiterzumachen klar erzählt und doch immer wieder aufzeigt, wie traumatisch und schmerzhaft die Erfahrung trotzdem ist/war.




9. Vanessa Schöche „Broken Hope“

Auch wenn das Ende mir wirklich ein bisschen zu happy war, schafft es dieses Buch unglaublich gut den Umgang mit Trauer zu thematisieren und zu erzählen. Die Entwicklung, die geschildert wird, fand ich sehr gut nachvollziehbar und realistisch. Zu Beginn ist es wirklich, als ob Hope sich verschlossen hat und in ihrer Trauer versinkt. Es folgt ein Auf und Ab. Situationen, in denen es ihr wirklich gut geht, Situationen, in denen sie große Rückschritte macht, Situationen, in denen sie Schuldgefühle hat, weil sie weiterlebt und Sam nicht. Insgesamt schildert dieses Buch sehr einfühlsam diese Reise und die verschiedenen Phasen.



8. Emma Scott „All In“

Jonah aus Emma Scotts „All In“-Dilogie hat seit eines Urlaubes, in dem er sich einen Virus eingefangen hat, ein Spenderherz. Und dieses wird langsam aber sicher abgestoßen und das Ende ist schon absehbar. In wenigen Büchern wird so gut eingefangen, was es bedeutet mit einer solchen Diagnose zu leben. Selbst junge, kerngesunde Menschen können von jetzt auf gleich eine solche Krankheit bekommen. Das Unverständnis, die Sinnlosigkeit und die Verzweiflung, aber auch die Hilflosigkeit, die mit diesen Fällen einhergeht, werden erzählt. Und doch gibt das Buch Raum für positive Gefühle. Für Hoffnung, für Weiterentwicklung, für Trauerverarbeitung. Es nimmt sich Zeit mit der Trauer und dem Unverständnis umzugehen und entlässt den Leser am Ende doch mit einem guten Gefühl.


7. Val Emmich „Dear Evan Hansen“

Evan Hansen spinnt ein Netzt aus Lügen, baut es immer weiter aus, verstrick sich darin. Und zu Beginn versteht man als Leser nicht, wieso er es nicht schafft die Wahrheit zu sagen. Doch nachdem das Ende die Sitaution in ein anderes Licht rückt wird plötzlich deutlich: Evan ist depressiv. Und diese Depression hat ihn so sehr gefangen genommen und beeinflusst, dass er keine andere Möglichkeit gesehen hat Anerkennung zu finden. Keine schöne, aber eine sehr echte Geschichte, die zeigt, wie sehr psychische Probleme Menschen einnehmen und ihre Sicht auf die Welt beeinflussen/beeinträchtigen können. Evans Gedanken und das gefühl des Alleinseins werden erzählt und doch zeigt dieses Buch, dass man am Ende eben doch nie allein mit einer solchen Krankheit ist.


6. Wolfgang Herrndorf „Tschick“

Ich glaube jeder Mensch hat gewisse Vorurteile. Es ist sehr schwierig keine zu haben. Und auch wenn wir sie nicht bewusst haben und anwenden, ist es etwas, das wir im Hinterkopf behalten und an dem wir aktiv arbeiten müssen. Wolfgang Herrndorf schafft es in seinem Buch „Tschick“ genau diese Aussage zu treffen. Durch die Augen eines Teenagers und einen Roadtrip der anders läuft, als erwartet, hält er uns den Spiegel vor und erzählt eine herzliche und liebevoll geschriebene Geschichte darüber, was es heißt Vorurteile zu haben und zu wiederlegen. Eine Geschichte über Freundschaft unter ungewöhlichen Umständen.


5. Elton John „Ich“

Vermutlich hätten wenige auf dieser Liste eine Biopgraphie erwartet. Und doch verdient Elton Johns „Ich“ definitv einen Platz. Anders als bei den anderen Bücher auf dieser Liste wird die Thematik hier nicht in eine fiktive Geschichte verpackt. Denn Elton Johns Rockstarleben war real. Und sein Drogenkonsum, sein Exzess und alles, was sonst noch dazu gehört hat, haben ihn an einen Punkt gebracht, an dem er in Lebensgefahr schwebte. Aber Elton John hat sich zurückgekämpft. Die eigene Reflektion seines Lebens, die er nicht beschönigt oder zensiert, gibt einen unglaublich tollen Eindruck in die Gefahren dieser Welt und zeigt doch, dass man durch die richtige Unterstützung, durch Liebe und eisernen Willen aus vielen scheinbar aussichtslosen Lagen wieder herauskommt.


4. Anna Woltz „Gips“

Schwere Themen und Sorgen beschäftigen nicht nur Erwachsene. Und es gibt viele Kinder-/Teeniebücher, die diese Themen zugänglich machen. Seit ich in einem Uniseminar „Gips“ gelesen habe, denke ich, dass dieses hier eines der besten davon ist. Die Trennung der Eltern ist eine Horrorvorstellung für viele Kinder. Die Realität ist jedoch leider, dass viele Ehen wieder geschieden werden. „Gips“ erzählt eine solche Geschichte. Herzlich, Sensibel, Wunderschön und trotzdem sehr realistisch.


3. John Green „Margos Spuren“

Dazugehören. Das Gefühl haben da zu sein, wo man hingehört. Das wünscht sich denke ich jeder. Und gerade für Jugendliche ist das oft schwierig. Denn man muss nicht nur seinen Platz finden, sondern eben auch sich selbst. Und das kann wirklich schmerzhaft und sensibel sein. In seiner unvergleichlichen, wortgewandten Art, erzählt John Green hier die Geschichte von Quentin. Eine Geschichte darüber sich selbst zu finden, eine Geschichte darüber, dass Menschen nicht immer so sind, wie sie wirken, und noch viel mehr.


2. Colleen Hoover „Was Perfekt War“

Kinder gehören doch zu jeder Familie oder? Jeder will doch Kinder oder? Nein. Viele Paare entscheiden sich ganz bewusst gegen Kinder. Und noch mehr Paare möchten Kinder, können aber keine bekommen. Quinn und Graham gehören zur letzteren Kategorie. „Was perfekt war“ erzählt vom Aufwand, vom Schmerz, von der Enttäuschung, die viele Paare in so einer Situation erleben. Der unerfüllte Kinderwunsch steht hier zwischen den Beiden und nimmt die Beziehung richtig mit. Colleen Hoover schafft es trotz dieser schweren Thematik ein Buch zu schreiben, das Mut macht. Ein Buch mit der Botschaft, das Liebe die stärkste Kraft ist, die es gibt. Auch das Ende passt unglaublich gut und macht dieses Buch zu einem facettenreichen, romantischen und unbedingt lohnenswerten Leseerlebnis.



1. Colleen Hoover „Nur noch ein einziges Mal“

Für mich ist Colleen Hoover die Meisterin dieser Art von Büchern. Ich finde, es gibt wenige Autoren, die es so gut schaffen ein komplexes, schmerzhaftes Thema in so vielen Nuancen zu beleuchten. Colleen Hoover schafft es immer wieder trotz des Schmerzes und Leides, das erzählt wird, ihren ganz eigenen, humorvollen, romantischen Stil nicht zu verlieren.

„Nur noch ein einziges Mal“ muss den ersten Platz auf dieser Liste bekommen, weil wenige Bücher mich so viele Emotionen haben fühlen lassen. Die Thematik ist nicht einfach, denn es geht um häusliche Gewalt. Colleen Hoover schafft es die schreckliche Realität davon zu erzählen, den Leser den Schock und die Angst empfinden zu lassen. Und doch gestaltet sie ihre Figuren zutiefst menschlich. Ohne zu entschuldigen, was passiert, zeigt sie doch, dass die Liebe nicht einfach aufhört, dass Menschen trotz dieser schreklichen Erfahrungen lieben und geliebt werden und, dass die Liebe allein eben manchmal nicht ausreicht. Auch dieses ist eines jener Bücher, die einen ganz tief in die schreklichen Emotionen führen und einen doch am Ende mit Hoffnung entlasse, und so eben doch zutiefst lebensbejahend sind.

Never Doubt

Autorin: Emma Scott

Verlag: LYX

Erschienen: 28.7.2020

Seitenzahl: 496

ISBN: 978-3-7363-1280-7


Wir sahen uns durch die Figuren an, und ich wusste, sie hörte meine ungesagten Worte.

Darum gehts:

Als Willow in die kleine Stadt Harmony zieht, ist sie fest entschlossen endlich mit ihrer Vergangenheit abzuschließen und zu heilen. Also spricht sie für die Rolle der Ophelia in der „Hamlet“-Produktion des kleinen örtlichen Theaters vor. Sie bekommt die Rolle und spielt neben Isaac Pearce als Hamlet. Auch Isaac benutzt das Theater um sich auzudrücken. Und so kommen sich die beiden mit jeder Konfrontation auf der Bühne näher. Schnell wird klar, dass Willow ihre eigenen Worte finden muss, wenn sie wirklich wieder glücklich sein will.



Das sage ich…

...zum Inhalt:

Die #metoo-Bewegung war für mich ein wirklich guter und wichtiger Schritt. Opfer von sexueller Gewalt leiden oft unter Traumata und viele von ihnen haben nicht den Mut ihre Geschichte zu erzählen. Häufig Sorgen auch die strukturellen Gegebenheiten dafür, dass die Opfer sich nicht in der Lage fühlen über das Geschehene zu sprechen. Die #metoo-Bewegung hat eben diese Tatsachen sehr deutlich gemacht und den Opfern eine Stimme gegeben. Das tut auch Emma Scott mit diesem Buch. Es ist voller Hoffnung und zeigt eine Protagonistin, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt und aktiv den Heilungsprozess gestaltet. Und trotzdem zeigt das Buch sehr deutlich die Schwiergkeiten mit der Thematik auf. Es wird deutlich wie schwer es ist mit solchen Traumata umzugehen und wie schwer es auch häufig ist die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Die Rahmenhandlung des Theaters fand ich wunderschön gewählt. Die Geschichte von Hamlet passt toll zur Geschichte von Willow und Isaac und aus so vielen Zeilen und Kapiteln strömt die Liebe zum Theater und zur Kunst im Allgemeinen. Dieses Buch lässt einen deutlich erkennen wie viel Kunst bedeutet und welche Macht es haben kann sich durch ebendiese auszudrücken.

…zu den Protagonisten:

Willow ist eine nuancierte und toll charakterisierte Figur. Ich mochte es sehr gerne, dass sie eben nicht einfach die Opferrolle eingenommen und sich in ihr Trauma ergeben hat. Und doch fühlt man als Leser sehr mit ihr mit in den Momenten, in denen es eben nicht einfach ist und in denen die Panik und der Schmerz sie wieder einholen. Ich fand es sehr gelungen, wie ihre Entwicklung geschildert wird und fand sie wirklich sympathisch.

Isaac ist ein klassicher New-Adult-Protagonist. Harte Schale, weicher Kern. Ich fand gerade aus diesem Grund die Ebene, die das Theaterstück aufmacht sehr schön, denn dadurch hat man den Kontrast zwischen dem Isaac auf der Bühne und dem außerhalb. Von Anfang an wird er so auch als jemand gezeigt, der seine Emotionen ausdrückt und durchaus sensibel ist. Er ist von Anfang an eben nicht nur der typische Bad Boy, den viele in ihm sehen.

…zum Stil:

Kitschig, Dramatisch – hochemotional. So kennen wir es aus vielen NA-Büchern und so schreibt auch Emma Scott. Ich liebe solche kitschig-schönen Bücher und so mochte ich auch ihren Stil. Große Worte und viel Mitfühl-Potenzial.


Heißt also:

Ich fand dieses Buch wunderschön! Tolle Thematiken, Tolle Protagonisten und viel Emotion.

Bewertung: 5 von 5.

Broken Hope

Autorin: Vanessa Schöche

Verlag: Vajona

Erschienen: 7.4.2020

Seitenzahl: 536

ISBN: 978-3-9819888-8-8


Dass Liam in mein Leben getreten ist, hat eine Bedeutung und sie ist zweifellos größer, als wir sie uns beide vorstellen können.

Darum gehts:

Hope hatte Alles. Einen tollen Verlobten, Ein zu Hause, das wirklich so eines ist, und um das Glück perfekt zu machen, wird sie dann auch noch schwanger. Sie freut sich auf ein tolles Leben, doch dann schlägt das Schicksal zu. Sie versinkt immer mehr in ihrer Trauer… Bis sie Liam trifft.


Das sage ich…

...zum Inhalt:

Ich habe in letzter Zeit viele Geschichten gelesen, die mit einer Tragödie, oder einem schweren Schicksalsschlag beginnen. Ich finde es so oft bewegend und wunderschön zu lesen, wie die verschiedenen Figuren aus dieser Phase wieder herauskommen und genieße das Gefühl der Hoffnung und der Erleichterung, das sich jedes mal einstellt, wenn die Protagonisten wieder Glück finden. Dieses Buch bildet keine Ausnahme. Vanessa Schöche erzählt diese Geschichte der Hoffnung. Die Protagonistin heißt Hope („Hoffnung“) und so ist diese Thematik auch direkt zu Beginn angelegt. Der Beginn ist so kitschig perfekt und romantisch, dass man als Leser direkt versteht, warum Hope am Boden zerstört ist, als sie dieses Leben verliert. Der Schmerz wird, wie die Freude, wahnsinnig gut eingefangen und man leidet wirklich mit der Protagonistin mit. Dieses Leiden zieht sich eine ganze Weile und doch blüht sehr schnell die Hoffnung wieder auf. Man wünscht als Leser sich richtig, dass diese Hoffnung wächst und zu einem Happy End führt. Das kommt natürlich auch, war dann für meinen Geschmack jedoch ein bisschen zu happy. Für mich hätte das Buch am Ende ruhig klar die Weichen für ein volles Happy End stellen, es aber noch zu Teilen offen lassen können.

…zu den Protagonisten:

Hope ist eine Figur, mit der man sich toll identifizieren kann. Sie träumt von der Zukunft, ist ein Familienmensch, eine tolle Freundin und ein rundum sympathischer Charakter. Ich fand es spannend, wie sie sich nach den schrecklichen Ereignissen verändert. Wo sie vorher fröhlich und aufgeschlossen war, ist sie jetzt ruhig und in sich gekehrt. Dadurch das die Geschichte zu einem großen Teil aus ihrer Sicht erzählt wird, wird der Leser in diese Gedankenwelt mit hineingenommen und wünscht ihr einfach nur sich wieder öffnen zu können.

Liam hat mich vor allem begeistert, weil er eine sehr aufmerksame Figur ist. Er merkt sofort, dass etwas los ist, und will Hope direkt näher kennenlernen. Ein charismatischer, charmanter Kerl. Er ist durch und durch ein Gentelman, sodass das Buch von romantischen Gesten und Momenten voll ist.

Die beiden bilden eine tolle Kombi und die Entwicklung von Fremden über Freunde hin zu mehr ist einfach wunderschön erzählt.

…zum Stil:

Vanessa Schöche schafft es, wie oben schon geschrieben, eine wunderschöne Geschichte zu erzählen und die Entwicklungen und Gefühle toll einzufangen. Zwar werden manche Formulierungen meines Geschmacks nach zu häufig benutzt, aber das hat für mich den Lesefluss nicht gestört.


Heißt also:

„Broken Hope“ hat mich mitgerissen und zutiefst bewegt. Ein tolles Buch, das ich unbedingt empfehle!

Bewertung: 5 von 5.

Royal Blue

Autorin: Casey McQuiston

Verlag: Knaur

Erschienen: 1.4.2020

Seitenzahl: 464

ISBN: 978-3-426-52615-6


Alex (…) wollte immer jemand sein, der wirklich etwas bewirkt und der Welt etwas hinterlässt. Henry ist ohne Zweifel so jemand. Es ist ein bisschen berauschend. Aber es ist okay.

Darum gehts:

Alex ist der Sohn der Präsidetin der USA. Henry ist Prinz von Großbrittanien. Die beiden könnnen sich nicht leiden, aber als ein Streit zwischen den beiden eskaliert, werden sie von ihren Familien angehalten öffentlich ihre Versöhnung zu inszenieren, um den Schaden gering zu halten. Plötzlich müssen sie viel Zeit miteinander verbingen und es wird deutlich, dass vielleicht doch andere Gefühle im Spiel sind.



Das sage ich…

...zum Inhalt:

Dieses Buch ist schnell zu einem meiner Lieblingsbücher geworden. Es gibt wenige LGBTQ-Liebesgeschichten und noch weniger davon sind wirklich gut. Casey McQuiston schreibt hier jedoch eine so herzliche, romantische und wunderschöne Geschichte, dass man dieses Buch einfach lieben muss. Was mir vor allem gefallen hat ist, dass die Tatsache, dass es eine Geschichte zwischen zwei Männern ist, nicht der alleinige Fokus ist. Klar ist es auch ein Thema, weil die traurige Wahrheit einfach ist, das Paare aus dem LQBTQ-Spektrum auch heute noch häufig mit Vorurteilen und Anfeindungen umgehen müssen, aber es geht um so viel mehr. Die Politik spielt eine wichtige Rolle und das Hauptproblem ist eben nicht die Sexualität der beiden, sondern vielmehr was diese in ihrer jeweiligen Position bedeutet. Man bekommt einen tollen Blick hinter die Kulissen des weißen Hauses und des Palastes. Auch wenn dieser vermutlich nicht besonders realistisch ist, ist es spannend über die PR-Besprechungen, die politischen Verwicklungen und Zusammenhänge und die Implikationen derer zu lesen. Die Beziehung zwischen Alex und Henry ist zwar die Hauptstoryline, aber das Buch gibt trotzdem sehr vielen lustigen, spannenden und schönen Nebenplots Raum. Für mich wurde es dadurch endgültig zu einem Highlight.

…zu den Protagonisten:

Beide Jungs sind mir wirklich ans Herz gewachsen! Zwar sind sie charakterlich sehr unterschiedlich, und doch merkt man sofort, warum die beiden so gut funktionieren und erkennt direkt welche Eigenschaften die beiden verbinden. Es gibt so viele wunderschöne Momente zwischen den beiden und ich habe wirklich gerne mitverfolgt, die die beiden sich immer mehr ineinander verlieben. Auch ihre Dynamik im Umgang mit der Öffentlichkeit, den Problemen, die daraus resultieren, aber auch mit ihren Familen ist toll zu lesen.

Alex ist direkt, weiß genau, dass er, wie seine Mutter, auch einmal in die Politik möchte und ist ein Mensch, der die meisten Sachen sehr entspannt angeht. Obwohl er sehr intellligent ist und die Dinge meistens gut überdenkt, hat er manchen Sachen einfach noch nie in Frage gestellt. So zum Beispiel seine Sexualität. Ich fand es spannend seine Gedanken und seine Entwicklung mitzuverfolgen.

Henry ist da anders. Er weiß zwar ziemlich genau, wer er ist, kommt aber aus einer Familie, die ihm mehr als deutlich zu verstehen gegeben hat, dass er als Prinz bestimmte Regeln einzuhalten hat und manche Meinungen einfach nicht zu sagen hat. Das führt dazu, dass er eine perfekte, eintönige Fassade aufgebaut hat, und es ist total toll, wie man als Leser zusammen mit Alex immer mehr von ihm erfährt und immer weiter hinter seine Fassade gucken kann.

…zum Stil:

Das Buch ist in der dritten Person und im Präsenz geschrieben. Eine Kombination, an die ich erstmal gewöhnen musste, die mir dann aber sehr gut gefallen hat. McQuiston schafft es toll das Gefühl der ersten großen Liebe einzufangen und den Leser trotz der ungewöhnlichen Erzählperspektive von vorne bis Hinten mitzureißen.


Heißt also:

Dieses Buch ist herzlich. Es ist spannend. Es ist romantisch. Und dieses Buch hat mich komplett begeistert!

Bewertung: 5 von 5.

Lesemonat – Juli

Hallo Ihr Lieben,

Ich hoffe ihr seid gut in den August gestartet!

Die erste Woche ist auch schon wieder um, also kommt hier mein Lesemonat Juli.

Ich hatte im Juli viel Zeit und richtig Lust zu lesen, sodass ich auf ganze neun Bücher komme.

Wie viele habt ihr gelesen? Welches war euer Highlight?


• Brittainy C. Cherry „Wie die Ruhe vor dem Sturm“

Dieses Buch war mein Monatshighlight. Ich habe die Geschichte von Eleanor und Grayson wahnsinnig gerne gelesen. Zwei wirklich tolle Protagonisten, eine interessante Prämisse und Brittainy C. Cherrys kitschig emotionaler und doch einfach wunderschöner Schreibstil. 5/5 Punkte.


• Emma Scott „Never Doubt“

Ich liebe Theater. Und dieses Buch macht es zu einem ganz zentralen Aspekt. Denn sowohl Willow, alsauch Isaac haben eine Menge durchgemacht und sehen das Theater als einen Weg den Schmerz auszudrücken und ihn zu verarbeiten. Das Buch macht diese schwierigen Themen zum zweiten zentralen Aspekt und Emma Scott schafft es durch ihren Schreibstil eine wunderschöne, emotionale Geschichte zu erzählen, die einen so schnell nicht loslässt. Deswegen müssen auch hier 5/5 Punkten her 🙂


• Vanessa Schöche „Broken Hope

Wie „Never Doubt“ erzählt auch „Broken Hope“ eine Geschichte darüber, wie ein schwerer Schicksalsschlag verarbeit wird. Die Geschichte ist voller Hoffnung und die Autorin findet tolle Worte um die Gefühle einzufangen und den Leser mit hineinzunehmen. Mein drittes 5 Punkte-Buch diesen Monat.


• Casey McQuiston „Royal Blue“

Vielleicht bin ich ein wenig zu begeisterungsfähig, wenn es um Bücher geht, aber auch „Royal Blue“ möchte ich gerne 5 Punkte geben. Es gibt generell noch wenige LGBTQ+-Liebesgeschichten, und noch weniger, die wirklich gut sind. Und doch schafft es die Geschichte von Alex und Henry genau das zu sein. Das liegt vor allem daran, wie sich die Beziehung zwischen den Beiden aufbaut. Es gibt wunderschöne, romantische Momente und trotzdem ist weder die Beziehung, noch die Tatsache, das sie zwischen zwei Männern ist zu sehr im Fokus. Klar es geht um die beiden, aber das Setting des weißen Hauses, des Palastes und generell der Politik bietet einen tollen Rahmen und Raum für viele kreative, lustige, spannende Nebenplots.


• Kelly Oram „V is for Virgin“

Die Thematik ist spannend, die Umsetzung hat leider ein paar Schwächen. Valerie wird verlassen, weil sie vor der Ehe keinen Sex haben möchte und startet daraufhin eine ganze Kampagne. Rockstar Kyle ist fest entschlossen Virgin Val umzustimmen. Eigentlich ist Valerie eine coole Figur, aber letzenendes fand ich dann leider, dass das Buch zu sehr auf einen Standpunkt dränkt und ganz klar in eine Richtung zeigt. Zwar nicht explizit, aber dennoch deutlich genug. Nichts desto trotz hat mir „V is for Virgin“ gut gefallen und ich habe mich auf den zweiten Teil gefreut. 3,5/5 Punkte.


• Kelly Oram „A is for Abstinence“

Der zweite Teil der Kellywood-Dilogie hat mir deutlich besser gefallen, als der erste. Kyle wirkte im ersten Teil irgendwie sexbesessen und sehr oberflächlich und bekommt hier eine Chance anders zu sein. Die Charaktere sind erwachsener geworden, wodurch man sich von der Kampagne ein wenig lösen kann und beide offener dafür sind aufeinander zu hören. Es wird besser kommuniziert und reflektiert, sodass ich es sehr viel realistischer und passender fand. 4/5 Punkte.


• Marie Lu „Legend – Fallender Himmel“

Ich habe schon eine Weile keine Dystopie mehr gelesen und wollte es mit dem ersten Band der „Legend“-Reihe dann mal wieder probieren. Ich fand die Geschichte wirklich toll und gerade gegen Ende auch wirklich spannend! Allerdings muss ich sagen, dass ich den Anfang einfach zu lang fand. Beide Hauptcharaktere werden zunächst alleine vorgestellt und erzählt. Spannend wird es allerdings erst wirklich, als die beiden sich über den Weg laufen. Ein paar Passagen ergaben für mich nicht so richtig Sinn, sodass ich insgesamt 2 Punkte abziehe und 3/5 vergebe.


• Tami Fisher „Sinking Ships“

Mir hat der zweite Teil der „Fletcher University“-Reihe deutlich besser gefallen, als der erste. Eine süße Liebesgeschichte für zwischendurch, allerdings sticht sie nicht durch irgendentwas besonders hervor. 3/5 Punkte.


• Kristen Callihan „Game On-Mein Herz will dich“

Das einzige Buch diesen Monat, das mich wirklich enttäuscht hat. Zwar war viel Potenzial da, aber im Endeffekt war es einfach zu oberflächlich für meinen Geschmack. Beide Charaktere hatten ihre Momente, sowohl alleine, alsauch zusammen, aber im Großen und Ganzen war dieses Buch leider nicht wirklich was für mich.