Top 10 – Bücher mit den besten ersten Sätzen

In meiner letzten Rezension habe ich angekündigt, dass ich sehr gerne eine neue Beitrags-Kategorie auf diesem Blog starten möchte. Die Top 10 Listen! Hier kommt nun meine erste.

Ich dachte, es wäre sehr passend, für den Anfang beim Anfang anzufangen. Deswegen stelle ich euch in diesem Beitrag die 10 Bücher vor, die meiner Meinung nach die besten ersten Sätze haben. Schreibt mir gerne, wenn ihr denkt, dasss ein Buch fehlt, oder wenn ihr eins ganz falsch eingeordnet findet.

  1. Patrick Süßkind – Das Parfum

Im 18. Jahrhundert lebte in Frankreich ein Mann, der zu den genialsten und abscheulichsten Gestalten dieser an genialen und abscheulichen Gestalten nicht armen Epoche gehörte.

In meiner Rezension zu diesem Buch habe ich den ersten Satz dieses Buches schon als Gund angeführt, warum dieses Buch besonders gut ist. Dieser Satz ist mir wirklich im Gedächtnis geblieben und ist für mich immer der erste, der in den Sinn kommt, wenn es um gute erste Sätze geht. Die Szene wird deutlich, der Hauptcharakter wird kurz und prägnant charakterisiert und der Schreibstil, der dieses Buch prägt lässt sich gleich hier erlebe



2. J. R. R. Tolkien – Der kleine Hobbit

In einer Höhle in der Erde, da lebte ein Hobbit.

Kurz. Prägnangt. Einprägsam. Deswegen ist auch dieser Satz einer derjenigen, die einfach im Gedächtnis bleiben. Auch dieser Satz lässt einen sofort in die Geschichte eintauchen.


3. J. K. Rowling – Harry Potter und der Stein der Weisen

Mr und Mrs Dursley im Ligusterweg Nummer 4 waren stolz darauf, ganz und gar normal zu sein, sehr stolz sogar.

Dieser Satz hat für mich einen Platz auf dieser Liste verdient, weil er einfach perfekt beschreibt, was die Dursleys als Personen ausmacht. Dieser kurze Satz ist witzig und alles, was man braucht, um zu verstehen, wieso die Ereignisse, die Folgen so passieren, wie sie passieren. Gleich zu Beginn merkt man, dass die Dursleys die Letzten sind, die in dieser Geschichte vorkommen wollen würden. Zudem legt diese Beschreibung auch den Grundstein dafür, dass wir als Leser nachvollziehen können, warum diese Familie reagiert, wie sie reagiert, als ein Zauberer auf ihrer Türschwelle abgelegt wird.


4. Walter Moers – Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär

Ein Leben beginnt gewöhnlich mit der Geburt – meins nicht.

Dieser Satz ist vor allem so gut, weil er direkt die allerwichtigste Eigenschaft des Protagonisten und seine Unzuverlässlichkeit als Erzähler deutlich macht. Denn natürlich muss jedes Wesen geboren werden. Und auch Käpt’n Blaubär rudert direkt nach diesem ersten Satz von dieser Aussage zurück und sagt, dass eigentlich nur feststeht, wo seine ersten Erinnerungen sind. Und dieses Hin und Her und dieses Lügen ist genau das, was Walter Moers´ Buch so unglaublich lustig und toll zu lesen macht.


5. John Green – Margos Spuren

Also, wie ich die Sache sehe, erlebt jeder irgendwann mal ein Wunder.

Tatsächlich ist dies der erste Satz aus dem Vorwort. Dieses wird auch aus der Sicht des Protagonisten, Quentin, erzählt und etabliert sofort das Hauptthema dieses Buches: Wunder. Es bringt zudem seinen Glauben an Wunder und die titelgebende Margo gleich zu Beginn ins Spiel. Ein Glaube, der im Verlauf des Buches eine große Rolle für Quentins Handlungen spielt.


6. Cornelia Funke – Tintenherz

Es fiel Regen in jeder Nacht, ein feiner wispernder Regen. Noch viele Jahre später musste Meggie nur die Augen schließen und schon hörte sie ihn, wie winzige Finger, die gegen die Scheibe klopften.

Cornelia Funke ist für mich eine der besten Autorinnen überhaupt. Und dieser Satz zeigt für mich wieder einmal, warum. Sofort wird die Atmosphere klar und wir als Leser sind mit in dieser düsteren regnerischen Nacht. Gleichzeitig wird durch den zweiten Teil deutlich, warum genau diese Nacht den Beginn der Geschichte bildet. Man weiß sofort, dass in dieser Nacht etwas Wichtiges passiert ist und der Wunsch zu erfahren, was genau, ist sofort da.


7. David Safier – Mieses Karma

Der Tag, an dem ich starb, hat nicht wirklich Spaß gemacht.

Dieser Satz hat einfach einen Platz auf dieser Liste verdient, weil er wunderbar paradox und witzig ist.


8. John Green – Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Im Winter meines siebzehnten Lebensjahres kam meine Mutter zu dem Schluss, dass ich Depressionen hatte, wahrscheinlich, weil ich kaum das Haus verließ, viel Zeit im Bett verbrachte, immer wieder das selbe Buch las, wenig aß und einen großen Teil meiner reichlichen Zeit damit verbrachte, über den Tod nachzudenken.

John Green ist Meister darin den Leser direkt mit in die Geschichte zu nehmen und die Hauptpersonen gleich zu Beginn sehr passend in wenigen Sätzen zu charakterisieren. Auch hier beweist er es wieder. Man stutzt kurz über diesen Satz. Wenn man danach weiterliest und von Hazels Krebs-Diagnose erfährt sieht man ihn direkt danach in einem anderen Licht. Und so wird auch dieser Satz einer, der sofort den Kern der Geschichte trifft. Hazels Resignation, die Führsorglichkeit und eigenen Diagnosen der Mutter, sowie die Krankheit sind alles Elemente, die im Verlauf der Geschichte wichtig sind und zur Handlung beitragen.


9. Astrid Lindgren – Ronja Räubertochter

In der Nacht, als Ronja geboren wurde, rollte der Donner über die Berge, ja, es war eine Gewitternacht, dass sich selbst alle Unholde, die im Mattiswald hausten, erschrocken in ihre Höhlen und Schlupfwinkel verkrochen.

Irgendetwas scheint es mit Wetterangaben zu Beginn eines Buches auf sich zu haben. Auch Astrid Lindgren beweist, wie so viele andere, dass diese wirklich effektvoll sein können. Sofort wird die Stimmung aufgebaut, die Umgebung vorgestellt, in der Ronja aufwächst und der Leser sofort gefesselt. Auch dieser ist ein erster Satz, der bei mir wirklich hängen geblieben ist.


10. Traci Chee – Ein Meer aus Tinte und Gold

Es war einmal und es wird eines Tages sein. So fangen alle Geschichten an.

In einem Buch, in dem es um die Macht des geschrieben Wortes und der Geschichte geht, macht dieser Satz eine richtig gute Meta-Ebene auf. Ein super Weg diese Geschichte zu beginnen.

Someone Else

Autor: Laura Kneidl

Verlag: LYX

Erschienen: 27.1.2020

Seitenzahl: 432

ISBN: 978-3-7363-1121-3

Ich bin vielleicht noch nicht ganz an dem Punkt, dieser Mensch für dich sein zu können, aber eines verspreche ich dir. (…) Ich werde nicht aufhören an mir zu arbeiten, bis ich es bin.

– Laura Kneidl, Someone Else

Darum geht’s:

Bereits im Vorgängerteil „Someone New“ hat man Cassie und Aurie aus Nebencharaktere kennengelernt. Diese beiden sehr unterschiedlichen Menschen, die doch durch ihre Leidenschaft für Tolkien und LARPs perfekt zusammenpassen. In diesem Buch bekommen sie nun ihre eigene Geschichte. Und die lohnt sich!

Deswegen empfehle ich dieses Buch:

Die Chemie zwischen Cassie und Aurie stimmt von der ersten Seite an. Sie beginnen als beste Freunde und diese Vertrautheit wird sehr gut eingefangen. Laura Kneidl schafft es wirklich gut, diese freundschaftliche Atmosphäre herzustellen und gleichzeitig schon die ersten Weichen für eine Entwicklung hin zu mehr zu stellen. Mir hat es sehr gut gefallen in diese Freundschaft mit reingenommen zu werden. Als Leser hat man so schnell ein Gespür für das, was die beiden verbindet.

Wie in jeder guten Romanze werden diese platonischen Gefühle nach und nach ins Wanken gebracht. Laura Kneidl ist beweist hier einmal wieder ihr großes Talent für Liebesgeschichten. Der ganze Weg, den Cassie und Aurie miteinander gehen ist einfach wunderschön geschrieben! Natürlich gibt es einige Stolpersteine, und die führen immer wieder zu sehr emotionalen bewegenden Momenten zwischen den Protagonisten.

Thematisch steckt in „Someone Else“ aber noch viel mehr, als eine Liebesgeschichte. Die Fragen, die vor allem aufgeworfen werden sind vor allem Fragen nach der eigenen Identität. Eins der Hauptprobleme zwischen Cassie und Aurie ist, dass beide wenig über ihre Gefühle sprechen und dafür umso mehr darüber nachdenken, was Andere denken. Gerade Aurie muss lernen zu dem zu stehen, was er will und das macht ihn in meinen Augen sehr nahbar. Man kann sich gut mit ihm identifizieren und fühlt mit ihm mit, auch wenn man Cassie, die genau unter dieser Feigheit leidet ebenso versteht.

Für mich als Serien- und Filmefan waren vor allem auch die Passagen zu dem Hobbie der beiden toll zu lesen. Ich hatte direkt Lust mir auch selber Kostüme zu schneidern und auf Conventions zu gehen. Wirklich raffiniert und überraschend fand ich den Gastauftritt, den die Charaktere aus Laura Kneidls anderer Reihe (Berühre mich. Nicht! und Verliere mich. Nicht.) auf eben dieser Convention hatten.

Bei aller Liebe, die ich für dieses Buch habe, muss ich jedoch auch sagen, dass meiner Meinung nach manche Stellen ein bisschen zu gestreckt waren. Auch wenn die Beziehung zwischen Cassie und Aurie wunderschön entwickelt wurde und in manchen Passagen sehr romantisch ist, hätten viele Konflikte meiner Meinung nach auch schneller aufgelöst werden können.

Heißt also…

Auch wenn mir „Someone New“ ein wenig besser gefallen hat, muss ich sagen, dass Laura Kneidl wieder eine wirklich gute, sehr romantische Geschichte mit tollen Charakteren gelungen ist. Ich empfehle „Someone Else“ sehr gerne weiter und freue mich jetzt schon auf den dritten Band der Reihe!









Die letzten Wochen war ich leider nicht sehr aktiv auf meinem Blog. Der Grund dafür ist vor allem, dass ich vor kurzem umgezogen bin und mich das psychich und physisch doch sehr in Beschlag genommmen hat. Ich würde allerdings sehr gern aktiver werden und habe mir überlegt, dass ich gerne eine neue Kategorie auf diesem Blog starten möchte: Die Top 10-Listen. Schreibt mir also gerne Ideen zu welchen Themen ich euch meine Top 10-Bücher vorstellen soll 🙂

Das Parfum

Autor: Patrick Süskind

Verlag: Diogenes

Erschienen: August 2016

Seitenzahl: 319

ISBN: 978-3-257-06540-4

Darum geht’s:

Jean Baptiste Grenouille hat eine besondere Begabung: Seinen Geruchssinn. Doch genau diese besondere Fähigkeit ist es, die ihn letztenendes zu einem Mörder macht.

Deswegen empfehle ich dieses Buch:

🔪 Es hat, meiner Meinung nach, einen der besten ersten Sätze aller Zeiten!

„Im 18. Jahrhundert lebte in Frankreich ein Mann, der zu den genialsten und abscheulichsten Gestalten dieser an genialen und abscheulichen Gestalten nicht armen Epoche gehörte.“

Ich finde diesen Satz so gut, weil er die Stimmung und den Stil des Buches, sowie unseren Protagonisten gleich zu Beginn mit so wenigen, gut gewählten Worten wiedergibt. Er zeigt direkt den Schreibstil, berichtet uns direkt von den vielen abscheulichen Gestalten und nennt Grenouille ein genialen und zugleich einen abscheulichen Mann. Eine Einschätzung, die der Erzähler des Buches noch öfter mit dem Leser teilen wird und eine, die er im Verlaufe des Buches immer zu verstehen lernt.

🔪 Trotz Genre ist es wahnsinnig humorvoll

Das Leben im 18. Jahrhundert in Frankreich war nicht besonders leicht. Jean Baptiste Grenouille begegnet in seinem Leben vielen Menschen, denen er suspekt ist, und viele Menschen, die selbst suspekt sind. Und er wird zum Mörder. All diese Tasachen beschreibt Süskind auf so trockene, nüchterne Weise, dass sich daraus ein wahnsinnig makabres Buch mit schwarzem Humor ergibt. Mir gefiel das sehr gut!

🔪 Patrick Süßkind schreibt genial!

Kurze, prägnante Sätze; tolle, bissige Erzählerkommentare; trockener, makabre Humor. All dies sind die Dinge die Süskinds Schreibstil ausmachen. Ich fand es sehr interessant, wie dieser Stil auf der einen Seite dafür sorgt, dass man die ganzen Grausamkeiten, die Grenouille erleiden muss aber auch seine eigenen grausamen Taten als nicht so schlimm wahrnimmt und manchmal sogar darüber schmunzeln muss. Auf der anderen Seite ist es genau dieser Stil, der einem als Leser vor Augen führt, wie leicht man über solche Dinge hinwegsieht, wenn sie so schörkelos und ohne Effekthascherei erzählt werden.

🔪 Eine sehr spannende Prämisse

In Krimis gibt es sehr viele Motive, die ein Mörder haben kann. Meistens sind es verletzte Gefühle, Gier, familiäre Gründe. Ein Motiv wie hier ist da schon etwas sehr besonderes. Wie am Anfang geschrieben, ist es der besondere Geruchssinn, der Grenouille schließlich zum Mörder macht. Denn nachdem er bei einem Parfumeur in die Lehre gegangen ist stellt er fest, dass es Menschen (bzw. Frauen) gibt, die einen ganz besonders intensiven, tollen Geruch haben und wird ganz besessen davon diese in einem Parfum zu konservieren. Um dieses perfekte Parfum zu erreichen geht er sogar über Leichen.

🔪 Man bekommt Einblick in die Welt der Parfumherstellung und des Frankreichs des 18. Jhd

Dieser Punkt bedarf wohl keiner großen weiteren Erklärung. Der Leser liest von den schrecklichen Zuständen in Frankreich, lernt auf welche Dinge ein Parfumeur achten muss, wie ein Parfum hergestellt wird/wurde usw.

🔪Obwohl er ein Mörder ist, ist der Protagonist irgendwie sympathisch und zieht den Leser total in den Bann

Vor allem liegt auch das am Schreibstil. Der Erzähler wirkt beeindruckt von Grenouilles Begabung und veurteilt diejenigen, die ihn schlecht behandeln. Das färbt auf den Leser ab und man beginnt seine Motivation zu verstehen und mit ihm mitzufiebern.

🔪 Es hat ein sehr anderes, überraschendes Ende

Hierzu sei nur gesagt, dass Grenouille sich kurz vor Ende des Buches in einer Situation befindet, aus der er sich sehr anders befreit, als man denken würde. Kurz darauf endet das Buch und das noch einmal mit einer sehr überraschenden Wendung. Ich fand es passte total zu dem Buch und war richtig toll gewählt!

Heißt also…

„Das Parfum“ gehört zu meinen Lieblingsbüchern. Es besticht durch einen außergewöhlichen Schreibstil und eine spannende Geschichte!

VOX

Autorin: Christina Dalcher

Verlag: S. Fischer

Erschienen am: 15.8.2018

Seitenzahl: 400

ISBN: 978-3-10-397407-2

Darum geht’s:

„VOX“ spielt in der Zukunft. Frauen dürfen nicht mehr sprechen. Im übertragenden und im wörtlichen Sinn. Doch für Linguistin Jean ergibt sich eine Möglichkeit das zu ändern.

Deswegen empfehle ich dieses Buch:

Wir lernen die Protagonistin kennen, als die Regelung, das Frauen nicht mehr reden dürfen schon in Kraft getreten ist. Frauen tragen nun Armbänder, die ihnen Schmerzen zufügen, sobald sie mehr als 100 Wörter am Tag sagen. Was vielleicht zunächst ein wenig absurd klingt ist hier Wirklichkeit und die Autorin schafft es von Anfang an uns den Ernst der Lage bewusst zu machen und mit Jean fühlen zu lassen. In Rückblenden erfahren wir, wie sich diese Regelung und die drastischen Maßnahmen, die ergriffen wurden um diese umzusetzen, entwickelt haben. Für mich sind es vor allem diese Rückblenden und Entwicklungen, die die Relevanz des Buches begründen. Jean als Erzählerin schildert, wie die Frauen nach und nach immer mehr ausgegrenzt wurden und diejenigen, die versucht haben dagegen anzugehen nicht ernstgenommen und sogar belächelt wurden. Der Prozess ist so langsam und schleichend, dass man wieder einmal erinnert wird, wie wichtig es ist sich für wichtige Dinge konstant und fortlaufend einzusetzen und nichts einfach als gegeben hinnehmen sollte.

Im zweiten Teil des Buches liegt der Fokus dann mehr auf Handlung. Die Geschichte nimmt Fahrt auf und wird nun richtig spannend. Der Präsident hatte einen Schlaganfall und Jean als Linuistin soll nun helfen eine Therapie zu entwickeln um ihm mit seiner Sprache zu helfen. Hier wird wieder die Absurdidät der Situation deutlich, das Jean zwar nicht mehr erlaubt wurde ihren Beruf weiter auszuüben, sie hier als Expertin jedoch sofort wieder zu Rate gezogen wird. Es ist spannend zu lesen, wie sie sich wieder daran gewöhnen muss reden zu dürfen und wie sie nach und nach dem Mut findet wirklich für das zu kämpfen, das ihr wichtig ist. Hier bekommt der Roman ein wenig mehr Thriller/Krimi-Gefühl, das er bis zum Ende hält. Ich fand es toll, dass es hier nicht einfach um die Tatsache des nicht sprechen dürfens an sich geht, sondern viel mehr um die Folgen und die Motivation der Protgonistin diese zu ändern. Hier wird ebenfalls deutlich, wie wichtig Jeans Tochter für diese Motivation ist. Zu einem Teil ist „VOX“ also auch eine bewegende Mutter-Tochter/Familien-Geschichte.

„VOX“ schafft es uns vor Augen zu führen, wie wichtig Sprache ist. Uns ist vielleicht nicht bewusst, wie viel wir täglich reden und für wie viele Dinge wir Worte benutzen. Aber Worte sind mächtig. Worte können Dinge verändern und Christina Dalcher schafft es das durch diese Geschichte toll zu vermitteln. Gleichzeitig ist Sprache hier auch ein Symbol für Hoffnung und Selbstständigkeit. Etwas das Jean vor allem für ihre Tochter erkämpfen will.

Heißt also…

Ein sehr bewegender, spannender und relavanter Debütroman über die Macht von Sprache und die Macht der Liebe. Sehr empfehlenswert!

All In-Zwei Versprechen

Autorin: Emma Scott

Verlag: LYX

Erschienen am: 31.1.2019

Seitenzahl: 416

ISBN: 978-3-7363-0835-0

Darum geht’s:

Im ersten Teil von Emma Scotts „All In“-Duett ging es um Kacey Dawsons Beziehung zu Chauffeur Jonah. Nach dem tragischen Ende geht es im zweiten Band „Zwei Versprechen“ genau dort weiter. Wie geht Kacey mit Jonahs Tod um? Kann sie sich wieder verlieben? Womöglich sogar in Theo, Jonahs Bruder?

Deswegen empfehle ich dieses Buch:

Emma Scott schreibt wunderschöne und bewegende Liebesgeschichten. Und auch, wenn ihre Bücher manchmal wirklich kitschig sind, finde ich sie immer wieder sehr empfehlenswert!

Der Zweite Teil des „All In“-Duetts ist meiner Meinung nach noch einmal ein Stück besser, als der erste. Es geht um Kacey Dawson, die nach dem Ende des ersten Bandes den Tod ihres Freundes Jonah verkraften muss. Sie schottet sich ab und versinkt in ihrer Trauer. Die Autorin schafft es hier wirklich gut da anzusetzen, wo der erste Teil aufgehört hat und nimmt den Leser sofort wieder mit. Es ist bewegend und gleichzeitig bedrückend zu lesen, wie schwer Kacey die Situation fällt.

Und gleichzeitig ist da der Lichtblick. Theo. Gleich im Prolog erfährt man von Theos Gefühlen für Kacey, die Freundin seines Bruders Jonah. Und man erfährt vom ersten der beiden im Titel genannten Verprechen. Theo verspricht Jonah sich um Kacey zu kümmern, sie zu lieben. Von Beginn an ist der Leser also mit eingeweiht, weiß was Theo empfindet und wünscht sich, dass die beiden miteinanders glücklich werden. Gleichzeitig wird direkt etabliert, wie schwer die Situation für Theo ist, da Kacey die Freundin seines verstorbenen Bruder ist/war.

Das Buch erzählt nun auf wunderschöne Art und Weise, wie sich Kaceys Versprechen am Ende des ersten Buches, nämlich sich wieder zu verlieben, und Theos vorher genanntes langsam miteinander verbinden und zu einem werden. Man bekommt Einblicke in die Gedanken und Gefühle beider Protagonisten und spürt so als Leser die ganze Zeit, wie sehr die beiden Protagonisten sich zueinander hingezogen fühlen und gleichzeitig beide erst innere Hürden überwinden müssen. Ein wirklich tolles und emotionales Buch!

Heißt also…

Emma Scotts Buch geht ans Herz. Ein Buch über die Liebe in Zeiten der Trauer und gleichzeitig ein Buch über die Liebe als großer Lichtblick und etwas, das es Wert ist und Trauer überwinden kann.

Die Geschichte der Bienen

Autorin: Maja Lunde

Verlag: btb

Erschienen am: 20.3.2017

Seitenzahl: 528

ISBN: 978-3-442-75684-1

Darum geht’s:

Der Titel ist Programm. Die Geschichte der Bienen wird anhand von drei persönlichen Geschichten erzählt, die immer mehr miteinander verwoben werden.

Deswegen empfehle ich dieses Buch:

„Die Geschichte der Bienen“ ist gerade in Zeiten des Klimawandels und des Umweltaktivismus so relevant, wie nie. Das wird gleich zu Beginn des Buches deutlich klar, als praktisch sofort die Auswirkungen des Bienensterbens thematisiert werden. Aber von Anfang an: In den ersten Kapiteln lernen wir zunächst die drei Personen kennen, deren Geschichten alle von den Bienen beeinflusst werden.

Als erstes is da William. Er lebt im Jahr 1852. Er ist schwer krank und kann sein Bett nicht verlassen. Sehr eindringlich wird der Leser hier mit in sein Leiden genommen, leidet mit und stell gleichzeitig in Frage, wie viel der Krankheit auch psychosomatisch ist. Die Familiensituation ist angespannt und man bekommt ein Gefühl dafür, welche Erleichterung es ist, als William eines Tages die Idee für einen neuartigen Bienenstock kommt. Wie William selber fühlt man diesen neuen Tatendrang und es ist sehr spannend so darüber zu lesen, wie die moderne Imkerei angefangen hat. In Williams Kapiteln lernt man am meisten über die Bienen, über ihr Sozialverhalten, ihre Gewohnheiten und Bedürfnisse. Er recherchiert für den Bienenstock und der Leser bekommt durch ihn eine Basis, auf der er weiter über diese Tiere lesen und mitdenken kann.

Die zweite Person, die in die Geschichte der Bienen eingewoben ist, ist George. George ist Imker. Imker in unserer Zeit. Er benutzt jene Bienenstöcke, die man als Leser schon William zuordnet und ist somit nicht nur mit den Bienen, sondern auch direkt mit William verbunden. Bei George „erlebt“ man beide Facetten des Imkerns: Wie einfach es ist, wenn die Bienen fleißig sind und wie schön es sein kann sie summen zu hören. Aber auch wie problematisch zum Beispiel Wetter sein kann und wie empfindlich das Gleichgewicht eines jeden Bienenvolkes ist. Was ich bewegend an Georges Kapiteln fand ist vor allem, das durch ihn praktisch ein Erzählpunkt in unserer Gegenwart ist. Die Geschichte ist so auch im Hier und Jetzt verankert und thematisiert aktuelle Debatten, wie zum Beispiel die Diskussionen und Vor- und Nachteile von einfachen Hobbieimkern und jenen, die für die großen Konzerne in Mengen produzieren. Diese Kapitel bewegen, weil sie uns als Leser mit hineinnehmen und vor Augen führen, wie aktuell und relevant dieses Buch ist.

Die dritte Person, die wir als Leser kennen lernen ist Tao. Tao lebt 2098 in einem kleinen Dorf und arbeitet auf einer Art Farm um Blumen/Bäume zu bestäuben. Ihre Kapitel symbolisieren wohl vor allem die schrecklichen Folgen, die es hat/haben würde, wenn Bienen aussterben. Essen in Taos dorf ist knapp bemessen, Kinder sind nur noch unter bestimmten Bedingungen erlaubt usw. Wie in den anderen beiden Geschichten schafft es Maja Lunde auch bei Tao wieder uns als Leser zu einem Teil der Geschichte werden und mitfiebern zu lassen. Denn die junge Mutter verliert ihren Sohn. Der Leser vermutet schnell, dass ihr Junge eine Bienenallergie hat und stirbt, weil Bienenstiche schon garnicht mehr richtig bekannt und behandelbar sind. Als diese Wahrheit nach und nach ans Licht kommt ist ihre Geschichte vor allem eine der Hoffnung. Denn war für sie als Individuum einen schrecklichen Verlust bedeutet, bedeutet für die Gesellschaft in der sie lebt, wieder Aufatmen. So sieht auch sie es am Ende und sagt, dass der Junge, den die Öffentlichkeit kennenlernt einer ist, der den Neuanfang ankündigt. Der durch seinen Tod von der neuen Chance der Natur erzählt.

Maja Lunde schafft es in „Die Geschichte der Bienen“ meisterhaft die persönlichen Schicksale in das große Ganze einzuordnen. Sie hat einen tollen Schreibstil, der den dei verschiedenen Persönlichkeiten gerecht wird und trotzdem eine sehr harmonische Verbindung zwischen ihnen schafft. Ich fand ebenfalls sehr gut gelungen, wie immer wieder kleine Details ins Auge springen, die in allen drei Schicksalen vorkommen.

Heißt also…

„Die Geschichte der Bienen“ erzählt drei persönliche Schicksale und verbindet sie toll miteinander. Aber es ist auch ein Buch, dass uns als Lesern die Bienen näher bringt. Es informiert und führt uns vor Augen wie wichtig sie für unsere Natur und dadurch auch für das Klima sind. Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen 🙂

Seelen

Autorin: Stephenie Meyer

Verlag: Carlsen

Erschienen am: 26.05.2011

Seitenzahl: 912

ISBN: 978-3-551-31036-1

Darum geht’s:

In der Zukunft: Die Menschen werden von so genannten Seelen als Wirtskörper benutzt. Und doch klappt diese Übernahme nicht immer reibungslos. So auch im Fall von Melanie Stryder, die unbedingt zu ihrer großen Liebe Jared zurückwill. Ihr Überlebenswille ist so groß, dass sie die Seele, Wanda, die in ihren Körper eingesetzt wurde dazu bringt sich mit ihr auf die Suche nach ihm zu machen. Doch wie wird er reagieren? Und was wird aus Melanie und Wanda? Können zwei Seelen in einem Körper leben?

Deswegen empfehle ich dieses Buch:

Stephenie Meyer ist vor allem bekannt für ihre Twilight-Reihe. Doch für mich war „Seelen“ immer ihr bestes Buch. Auch dieses Buch ist eine Fantasy Geschichte. Im Gegensatz zu Vampieren und Werwölfen werden hier jedoch die Seelen thematisiert. Diese sind eine wirklich gut geschriebene Form außerirdischen Lebens. Gut geschrieben heißt für mich in diesem Fall, dass die Autorin sehr viele Gedanken in die Geschichte und die Lebensweise dieser Art gesteckt hat. Sie sind von grundauf friedliebende, sanftmütige Wesen, die jede Art von Gewalt verabscheuen und die Übernahme eines Körpers vor allem als Weg sehen die Welt um sich herum besser zu gestalten. Die Wahl der Seele Wanda als Erzählstimme ist deswegen wirklich sehr gut getroffen. Als Leser bekommt man sofort ein Gespür für die Sichtweise der Seelen und kann nachvollziehen, wie sie denken. Gleichzeitig wird durch Melanie, die immer stärker wird und so ebenfalls eine Stimme bekommt, auch die Betrachtungsweise der Menschen deutlich. Die beiden Stimmen sind im Konflikt miteinander und es kommt zu vielen Diskussionen zwischen ihnen und viel Nach- und Umdenken auf beiden Seiten.

„Seelen“ ist eine Liebesgeschichte. Melanies Hauptmotivation ist zurück zu ihrem Freund Jared und ihrem Bruder Jamie zu gelangen. Dieses Gefühl motiviert sie und macht sie stark. Schon nach einigen Kapiteln wird deutlich, dass Wanda sich diesen starken Gefühlen nicht entziehen kann. In gewisser Weise sorgt diese Verbundheit dafür, dass Wanda ebenfalls Gefühle für Jared entwickelt.

Gefühle, die stärker sind, als alle Gefühle, die Seelen normalerweise haben. Dies macht das Buch für mich zu so viel mehr als einer Liebesgeschichte. Je weiter das Buch fortschreitet, desto mehr geht es nicht mehr nur um das Libesdreieck (das durch das Fantasyelement einen clevere Twist hat), sondern viel mehr um die Frage, was uns als Menschen ausmacht. Wanda stellt immer mehr in Frage, ob sie als Seelen nicht zu gefühllos/gleichgültig sind. Sie ist zutiefst schockiert von den starken menschlichen Gefühlen wie Hass und Wut und macht trotzdem immer mehr die Erfahrung, dass diese auch bedeuten, dass die positiven Gefühle, wie Liebe und Mitgefühl so viel stärker und bedeutsamer sind. Das Buch entwirft ein umfangreiches komplexes Bild davon, wie kompliziert menschliche Gefühle sind und lässt sie den leser in vielerlei Hinsicht wieder neu wertschätzen.

Heißt also…

„Seelen“ ist eine Liebesgeschichte mit einem cleveren Fantasy-Twist. Und es ist doch so viel mehr als das! Dieses Buch stellt Fragen wie „Was macht Mensch sein aus?“, „Wie wichtig sind menschliche Gefühle?“. Ich kann es nur empfehlen 🙂

Becoming

Autorin: Michelle Obama

Verlag: Goldmann

Erschienen am: 13.11.2017

Seitenzahl: 544

ISBN: 978-3-442-31487-4

Darum geht’s:

Michelle Obama, ehemalige First Lady der USA, schreibt über ihr Leben. Angefangen bei ihrer Kindheit in Chicago bis Hin zu ihrer Zeit im weißen Haus.

Deswegen empfehle ich dieses Buch:

Ich bin ein großer Fan von Michelle Obama! Ich finde sie als Person sehr symphatisch. Sie ist warmherzig, bezieht zu Themen, die ihr wichtig sind klar Stellung und beweist, vor allem seit sie und ihr Mann das weiße Haus verlassen haben immer wieder ihren tollen Sinn für Humor! Die Autobiographie „Becoming“ spiegelt meiner Meinung nach jeden dieser Aspekte wunderbar wieder.

Zunächst einmal fand ich die Einteilung in drei Abschnitte, die Michelle Obama in ihrem Buch vorgenommen hat sehr gut gewählt und auch sinnvoll. Die Gliederung hilft dem Leser ihr zu folgen, gibt zu jedem Teil quasi eine grobe Einordnung in das große Ganze und macht schon zu Beginn deutlich, wie Michelle Obama sich selber sieht: Nämlich als eine Frau, die erst zu sich selbst gefunden hat, dann ihren Platz in einem Team und zu guter Letzt danach strebt sich noch weiter zu entwickeln und mehr zu bewirken.

Der erste Abschnitt ist überschrieben mit dem Titel „Becoming Me – Ich werden“. Hier erzählt sie zunächst einmal von ihrer frühen Kindheit, ihrer Schul- und Collegezeit und ihrem ersten Job. Sie schreibt hier sehr reflektiert über diese (frühen) Erfahrungen und Entwicklungen und wie diese sie im nachhinein betrachtet zu der Person gemacht haben, die sie heute ist. Außerdem gehört in diese Zeit der Beginn ihrer Freundschaft mit Barack.

Im zweiten Abschnitt „Becoming us – Wir werden“, thematisiert nun die Entwicklung dieser Beziehung hin zu eine Ehe, sowie Baracks politische Karriere von Beginn bis zu seiner Amtseinführung als 44. Präsident der USA. Man bekommt sehr interessante Einblicke hinter die Kulissen und immer wieder kleine Anektdoten die einem die Obamas als Paar noch einmal besser verstehen lassen und einen Blick auf die Arbeit und Energie werfen lassen, die in den Wahlkampf geflossen sind.

Der dritte Abschnitt schließlich heißt „Becoming More – Mehr werden!“. Michelle Obama erzählt hier von ihrer Zeit im weißen Haus, von der Anfangszeit und den Auf und Abs der Präsidenschaft und was diese für sie und ihre Familie bedeutet haben.

Michelle Obama schreibt sehr pointiert. Sehr klar. Sie schreibt geradeheraus sehr offen und ehrlich über ihre Erfahrungen. Sie beschönigt die schlechten und belastenden Erfahrungen nicht und bewahrt dabei trotzdem ihren Humor und liefert immer wieder kleine, witzige Anektoten, sodass eine tolle Balance aus beiden Seiten entsteht und immer ein Gefühl von ihr als einer herzlichen, offenen Person entsteht.

Heißt also…

Die ehemalige First Lady der USA ist so viel mehr als das. Sie hatte und hat ein Leben, über das es viel zu erzählen gibt! Und dies tut sie in diesem Buch. Offen, herzlich, super!!

Nächstes Jahr am selben Tag

Autorin: Colleen Hoover

Verlag: dtv

Erschienen am: 10. März 2017

Seitenzahl: 384

ISBN: 978-3-423-71845-5

Darum geht’s:

Fallon und Ben treffen sich am neunten November. Weil Fallon am nächsten Tag umzieht und beide keine Fernbeziehung eingehen wollen, beschließen sie, sich von nun an fünf Jahre lang immer genau einmal im Jahr zu sehen. Klingt einfach. Aber in fünf Jahren passiert eine ganze Menge.

Deswegen empfehle ich dieses Buch:

Colleen Hoover ist wahnsinnig gut darin, literarische Stilmittel zu benutzen, um ihren Geschichten mehr Tiefe zu verleihen. In „Was perfekt war“ benutzte sie vor allem die Perspektivwechsel zwischen den Kapiteln, in diesem Buch sind es vor allem die Zeitsprünge. Fallon und Ben beschließen, sich nur einmal im Jahr, immer am neunten November, zu sehen und auch der Leser bekommt immer nur den neunten November geschildert. So wird eine wirklich tolle Spannung erzeugt. Als Leser schlägt man zwar nur die Seite um, trotzdem muss man sich alle paar Kapitel wieder neu zurechtfinden. Die Protagonisten haben ein ganzes Jahr erlebt und es ist ein bisschen so, als ob man sie jedes Mal, wenn es diesen Zeitsprung von einem Jahr gibt, wieder neu kennen lernen kann.

Ben und Fallon sind als Protagonisten facettenreich und witzig ausgearbeitet, wie es so oft bei Colleen Hoover der Fall ist. Auch hier lernen sich die beiden wieder in einer relativ absurden Situation kennen. Auch hier haben beide Charaktere wieder wunderbare Eigenarten und eine tolle Dynamik. Genau deswegen mag ich Colleen Hoover so gerne!

Die Geschichte selber empfand ich als sehr romantisch und schön geschrieben. Man folgt Fallon und Ben, wie sie sich eigentlich auf den ersten Blick ineinander verlieben, und wie immer wieder sie selbst oder die private Situation der beiden dem Happy End im Weg stehen. Das macht es umso schöner als sie diesen Weg zueinander am Ende doch gehen und sich endlich füreinander entscheiden. Es ist wenig überraschend, das es ein Happy End gibt, aber Colleen Hoover schafft es immer wieder trotz des vorhersehbaren „Das“ den Leser mitzureißen und das „Wie“ bis zum Ende spannend zu halten.

Heißt also…

Colleen Hoover beweist auch hier wieder ihr Talent für tolle, mitreißende Liebesgeschichten!

Nicht weg und nicht da

Autorin: Anne Freytag

Verlag: Heyne fliegt

Erschienen am: 19.3.2019

Seitenzahl: 480

ISBN: 978-3-453-27159-3

Darum geht’s:

Luise hat ihren Bruder geliebt. Er war einer der besten Freunde, die sie je hatte und einer der Einzigen. Als er stirbt bricht ihre Welt zusammen. Sie schneidet sich die Haare ab und zieht sich immer mehr zurück. Dann lernt sie Jacob kennen. Zuerst lässt sie auch ihn nicht an sich ran. Bis sie an ihrem 16. Geburtstag eine E-Mail von ihrem Bruder bekommt. Es folgen weitere Mails, die ihr zusammen mit Jacob langsam aber sicher neuen Mut geben.

Deswegen empfehle ich dieses Buch:

Mir haben vor allem Anne Freytags Schreibstil und ihr Mut eine solch schwierige Thematik in einem Jugendbuch anzugehen sehr gefallen. Bereits der Anfang nimmt einen mit in die Geschichte hinein und die Gedanken der Protagonistin. Man will Luise kennenlernen und wissen was es mit ihrer Entscheidung vom Anfang des Buches auf sich hat. Denn das Buch beginnt mit dem Tag, an dem Luise sich die Haare abschneidet. Sie ist von Anfang an sehr verschlossen und ruhig, und das merkt auch der Leser. Es dauert eine Weile bis man das Gefühl hat sie ein bisschen einschätzen zu können.

Die Geschichte braucht eine Weile, bis sie wirklich losgeht und auch dann gibt es immer wieder Passagen in denen nur sehr wenig passiert und viel Gedankenwiedergabe stattfindet. Aber das tut diesem Buch meiner Meinung nach unglaublich gut! So findet Anne Freytag die Möglichkeit den Gefühlen, die in diesem Buch ganz klar im Vordergrund stehen, genügend Raum zu geben. Es passt zu der Geschichte und zu Luises Seelenstimmung, dass es nicht immer viel Handlung gibt. Der Tod und auch die Krankheit von Luises Bruder Kristopher, der manisch-depressiv war, werden immer wieder thematisiert. Die Krankheit wird ausreichend behandelt und ernstgenommen. Es wird nichts beschönigt. Dadurch gibt es viele Passagen, die nicht sehr glücklich/fröhlich, sondern sehr rührend und gefühlvoll sind. Durch Luises Sicht auf diese Krankheit und ihre Erfahrungen mit ihrem Bruder wird jedoch auch ein Gegengewicht entworfen. Auch Unverständnis über die Denkmuster des Kranken oder auch das Gefühl alleine gelassen worden zu sein werden so zum Ausdruck gebracht.

Die Geschichte zwischen Luise und Jacob ist wunderschön erzählt. Es dauert zwar eine Weile, aber dann nimmt man auch als Leser wirklich den Kontrast zwischen Luises Stimmung in seiner Gegenwart und ihrer Stimmung, wenn sie mit sich selbst alleine ist, wahr. Es wird genügend Raum gegeben für die Entwicklung dieser Liebe, sodass man als Leser wirklich mit Luise den Weg aus der Dunkelheit ohne ihren Bruder zurück ins Leben mit Jacob mitgeht. Zwischen den beiden gibt es immer wieder sehr bewegende Momente und beide Charaktere sind sehr gut durchdacht geschrieben, sodass Entscheidungen der Figuren und Missverständnisse gut nachvollziehbar sind und nicht aus dem Nichts kommen.

Heißt also…

Anne Freytag hat ein bewegendes Buch geschrieben, das dem Leser den Schmerz nahebringt, den es bereiten muss, einen geliebten Menschen zu verlieren. „Nicht weg und nicht da“ findet aber auch immer wieder ein Ja zum Leben und entlässt den Leser nicht ohne Hoffnung.