Jetzt sind wir echt

Autorin: Gabriella Santos de Lima

Verlag: loewe.intense

Erschienen: 8.3.2023

Seitenzahl: 464

ISBN: 978-3-7432-1380-7


Verrückt, dass Blicke nur Blicke waren, aber bei bestimmten Menschen plötzlich alles bedeuten.“ (S. 37)

Darum geht’s:

Lucy und Gregor haben sich vor zwei Jahren bei einem Schreibworkshop kennengelernt und einen tollen Sommer zusammen verbracht. Bis von jetzt auf gleich Funkstille herrschte. Lucy weiß bis heute nicht, was damals passiert ist – doch plötzlich steht Gregor ihr wieder gegenüber.

Das sage ich…

…zum Inhalt:

Ich fand tatsächlich, dass dieses Buch inhaltlich nicht besonders viel hergibt. Es ist ingesamt ein Buch, dass nur wenig Handlung hat und viel durch die gesprochenen und die ungesagten Worte zwischen den beiden Hauptfiguren getragen wird. Ich finde die Entwicklung, die sich hier aufbaut insgesamt sehr gelungen, wenn auch nicht gut über das ganze Buch gestreckt bzw. verteilt. Es gibt Passagen, in denen unglaublich viel passiert und dann wieder ganze Kapitel, in denen es sich anfühlt, als ob auf der Handlungsebene fast nichts passiert. Ein wichtiger Grund hierfür ist der Schreibstil.

Thematisch war ich bei diesem Buch hin und hergerissen. Es wird sehr deutlich, wie sich Gabriella Santos de Lima zum Thema Feminismus und zur Debatte rund um Konsens positioniert. Beide Themen sind wichtig und es wird ein sehr positives Bild von gelungener Kommunikation und Frauen, die für sich und ihre Werte einstehen, indem sie gegen Sexismus Stellung beziehen, gezeichnet. Auf der anderen Seite ist die Art und Weise, wie dies geschieht meiner Meinung nach an manchen Stellen sehr unglücklich. Denn die Formulierungen und der Schreibstil insgesamt führt dazu, dass es sich manchmal sehr liest, wie eine Belehrung und wirkt geradezu moralisierend. Das macht es manchmal holprig.

…zu den Hauptfiguren:

Ich mochte vor allem Lucy. Sie weiß, was sie will, ist sensibel und freundlich und hat eine tolle Dynamik mit ihren Freundinnen. Ich mochte sie und ihre Clique sehr gerne.

Gregor wirkte manchmal sehr düster und verschlossen, ohne, dass es eine gute Begründung gab. Das hat es manchmal schwer gemacht ihn als Hauptfigur gerne zu haben und sich wirklich mit ihm zu identifizieren.

…zum Stil:

Mit dem Schreibstil ging es für mich richtig auf und ab, denn:

Es gibt in diesem Buch Sätze und Passagen, die so wunderschön und poetisch sind, dass ich aufschreiben und einrahmen wollte. Passagen, in denen Gefühle so treffend eingefangen wurden und die wirklich nahegegangen sind.

Dann gab es aber auch andere Stellen in diesem Buch. Stellen, an denen es, wie bereits angemerkt, plump und geradezu belehrend wirkte. Stellen, an denen viel zu viele Anglizismen benutzt wurden und die gewollt aufgeweckt und politisch korrekt klangen. Die Themen sind, wie gesagt, wichtig und auch insgesamt gut umgesetzt aber manchmal haben mich diese Passagen wirklich aus dem Lesefluss gebracht.

Heißt also:

Insgesamt ein Buch, das ich euch empfehlen kann. Denn es geht um Worte um zweite Chancen und eine große Liebe, was toll umgesetzt wird. Gregors Charakterisierung und der Schreibstil in manchen Passagen setzen dem Ganzen für mich aber einen Dämpfer auf.

Bewertung: 3 von 5.

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